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Ich wollte mal... eine Facebook-Novelle

Ich wollte mal auf Facebook einen Beitrag löschen, der schon zwei Stunden online war. Nicht dass mir mein Posting nicht mehr gefallen hätte, nein, ein Fehlerteufel war mir in die Finger gefahren. So fragte ich einen Freund, der zuckte mit den Schultern und fragte mich verwundert: „Löschen, wie schreibt man das?“

Ich traf auf einen alten Bekannten, Professor der Mathematik und fragte ihn, ob er mir helfen könnte. „Nehmen wir die Wahrscheinlichkeit, dass ein User deinen Beitrag bereits geteilt hat und sich über deinen dummen Fehler amüsiert, so ist die Wahrscheinlichkeit gleich Null, dass du damit Glück hast!“

Mit dem Gefühl im Nacken, dass jeder Mensch, dem ich begegne, bereits über meine schlechte Rechtschreibung Bescheid weiß, setzte ich mich in das Museumscafé und ertränkte meinen Kummer in Latte Macchiato. Plötzlich setzte sich eine ältere Dame mit faltigem, sonnengegerbtem Gesicht, grauen Haaren und einer dicken Brille auf der Nase zu mir. „Mein Junge, du siehst bedrückt aus. Kann ich dir vielleicht helfen?“ Um mir das Herz zu erleichtern, erzählte ich der Fremden von meinem Kummer. Sie sah mich mit mitleidigem Blick an und sprach: „Da kann ich dir nicht helfen. Dein Versuch, das Posting zu löschen, ist wie das verzweifelte Unterfangen, mit einem Radiergummi die Hieroglyphen von der Stele des Anchefenchons (Ägyptische Gedenktafel) zu radieren. Aber tröste dich, dir geht es, wie einst Echnaton. Wir können Jahrtausende nach seinem Tod noch seinen Gedanken lesen. Nur wissen wir nicht, ob seine Worte und Gedanken richtig geschrieben wurden.“

Ich wollte mich noch nicht geschlagen geben. In meiner Verzweiflung suchte ich einen Professor der Philosophie auf und erklärte ihm mein Leid. Er betrachtete mich eindringlich, trank genüsslich schlürfend eine Tasse Tee und dachte nach. Ein leichtes Lächeln huschte über sein Gesicht, dann sprach er zu mir. „Junger Mann, dein Vorhaben gleicht dem eines Vogels, der versucht, seinen Gesang einzufangen. Es ist genauso unmöglich, das Posting aus dem Internet zu löschen, wie es unmöglich ist, ein gesprochenes Wort aus den Gedanken der Zuhörer zu eliminieren! Doch vergiss nicht, je mehr du dich anstrengst, deinen Fehler zu verbergen, umso mehr werden ihn sehen und sich daran ergötzen.“

Und die Moral von der Geschichte? Schneller noch als das gesprochene Wort ist dein Posting in Facebook! Um das zu beweisen, teilt und liked das Posting, auf das wir möglichst schnell 100.000 Daumen haben!

Ich starte dieses Posting am 15.06. des Jahres 2013, © by Eduard-Florian Reisigl

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